01 Februar
2010

Titelbild bekommen

Das Cover zu meinem SunQuest-Roman ist da!

Ich habe soeben vom Fabylon-Verlag das von Swen Papenbrock gestaltete Titelbild zu meinem SunQuest-Roman bekommen.

Abgebildet ist Corundur, ein maskierter Sektenführer und Demagoge auf der Welt Less.

Wenn alles gut läuft, ist das Buch im April im Handel. Schon jetzt kann es versandkostenfrei direkt beim Verlag oder den gängigen Händlern unter der ISBN 978-3-927071-31-5 vorbestellt werden. Der Preis beträgt 12 Euro.


Geschrieben von alex um 19:52 Uhr | Kommentare (0) | Trackbacks (0)
12 November
2009

Aus mit Maus: Nagetier lässt Fußballspiel platzen

Wie eine Maus ein komplettes Stadion nach Hause schickte

Endlich mal wieder etwas, was als Meldung des Tages von SpOn durchgeht:

In der 51. Minute langte das Tierchen zu: Mit einem kräftigen Biss in ein Stromkabel verursachte eine Maus am Mittwochabend im Municipal-Stadion von Portimao in Südportugal einen Flutlichtausfall. […]

Die Teams und die meisten Zuschauer warteten laut Medienberichten eine halbe Stunde im Stadion vergeblich auf die Fehlerbehebung, bevor der Schiedsrichter die Begegnung gemäß Reglement endgültig abbrach.

Jedoch nicht alle Fußballfans waren enttäuscht über das abrupte Ende der Partie: Das Spiel zwischen dem Zweit- und dem Erstligisten sei so schlecht gewesen, dass die Maus wohl mit Absicht agiert habe, ätzte der Kritiker einer Lokalzeitung.


Geschrieben von alex um 14:46 Uhr | Kommentare (0) | Trackbacks (0)
03 November
2009

Ein Wochenende in Katzbrui

Nachbetrachtungen einer Fabylon-Wortschmiede

Am vergangenen Wochenende war ich wieder auf der Fabylon-Wortschmiede in der idyllischen Katzbrui-Mühle im Unterallgäu.

Das spannende an der Wortschmiede ist immer, das man nie weiß, welches Thema auf einen zukommt. So war es doch erst fast ein Schock, als Seminarleiterin Uschi Zietsch bekannt gab, dass wir das ganze Wochenende über Jugendgewalt schreiben würden. Ist dann doch erstaunlich, was bereits beim Brainstorming alles zustande kam.

Freitag gegen 20 Uhr waren wir damit fertig, bis 11:30 Uhr sollte die Kurzgeschichte fertig sein. Ich stelle hier absichtlich meine unkorrigierte Version online, wie ich sie abgab (die überarbeitete Version landet vielleicht irgendwann auf der Homepage):

Sünde

Immer und immer wieder warf sich Victor gegen die Tür, bis das Schloss schließlich nachgab. Seinen letzten Ansturm konnte er nicht mehr stoppen, so fiel er der Länge nach auf die Dachpappe hinter der Tür. Seine Kleidung riss weiter auf, doch es kümmerte ihn nicht, da sie ohnehin schon zerstört war. Auch den Blutflecken, die er hinterließ, widmete er keinen Blick.

Keuchend erhob er sich und schleppte seinen drahtigen Körper bis zur Dachkante des achtstöckigen Wohnblocks in Chorweiler, in dem er die bisherigen fast sechzehn Jahre seines Lebens verbracht hatte. Weit unter ihm lag die Tristesse dessen, was wohl irgendwann mal ein Spielplatz gewesen war, ein Stückchen weiter die Betonwüste der Einkaufspassage und das Parkhaus, in dem er ...

Aus den Tiefen seiner Hosentasche förderte er die Verpackung eines Kaugummis hervor, eine lächerliche Fläche Papier, doch er wollte ohnehin nicht viel schreiben. Der winzige Stummel eines Bleistiftes, den er für alle Fälle immer bei sich trug, war ebenfalls schnell gefunden.

Ich habe es getan“, kritzelte er. „Ich weiß nicht, wie das passieren konnte.“

Er stockte. Wie oft hatten sie in der fünfköpfigen Jugendgruppe der kleinen russisch-orthodoxen Gemeinde Kölns das Thema Gewalt und Rache diskutiert. Er erschauderte angesichts der Konsequenzen seiner Tat.

Kurz betrachtete er den Anhänger in seiner Hand, dann verwendete er diesen wieder als Schreibunterlage: „Ich möchte, dass die Jugendgruppe der Gemeinde meinen Anhänger bekommt.“

Sonst gab es nichts zu verteilen – seine Taschen waren leer und Zuhause würde sein Vater ohnehin alles kurz und klein schlagen, sobald er von der Tat erfuhr. Da brauchte Vater nicht die Flasche Wodka, die er sich sonst immer nach der Arbeit in den Fordwerken genehmigte. Und Mutter? Sie würde den Dreck weg machen und sich dann ihren Gobelins widmeten, wie sie es immer in ihrer Gleichgültigkeit tat. Seit er sich bewusst erinnern konnte, war es nie anders gewesen.

Victor stellte sich nun vollends auf die Dachkante, sodass seine Zehen bereits über die Regenrinne ragten. Konnte er es wirklich tun, springen und seinem Leben ein Ende setzen? Seiner Bestrafung entgehen?

Aber wie würde dann seine Sühnung im Jenseits aussehen?

Seine Beine zitterten, doch dies lag nicht daran, dass der kalte Februarwind durch die zerfetzte Jeans und das in Fetzen hängende Hemd drang. Kälte machte ihn wenig aus, was vermutlich an seinem genetischen Erbe lag.

Wieder begann er zu schreiben: „Sie haben mich immer beleidigt und bedroht, die Türken wie die Deutschen.“

Mit Herzklopfen hatte er immer in der S-Bahn gesessen, wenn er von dem wöchentlichen Treffen der Russischorthodoxen Jugend kam, und sich vor seiner Zielstation gefürchtet. Die Portraits im weitläufigen U-Bahnhof Chorweiler sollten freundlich wirken, doch er sah darin nur Leute, die ihn höhnisch auslachten. Noch schlimmer waren die Tage gewesen, in denen er nicht zu den Treffen fahren konnte, seine Mutter ihn aber dennoch aus der Wohnung geworfen hatte, da er „sonst nur alles dreckig“ machen würde. Teilweise hatten Mikes Clique und die Türkengangs ihn stundenlang kreuz und quer durch Chorweiler verfolgt, ihn nicht einmal in den Supermärkten, in die er sich flüchtete, in Ruhe gelassen. Immerhin hatten sie den „Russki“, „Wodkasäufer“ oder das „Kommunistenschwein“ außer Rempeleien in Ruhe gelassen, ihn höchstens mal gegen einen Zeitungsständer geworfen, den er anschließend unter den wütenden Augen des Verkäufers wieder einräumen durfte.

Bis heute.

Er bemerkte, dass er Blut auf dem Papierfetzten verteilt hatte; Blut, das an seinen Händen, an seiner Kleidung klebte und nicht seines war.

Eigentlich war es heute ein schöner Tag gewesen. In der Jugendgruppe hatten sie den bevorstehenden Besuchs des Patriarchen in Deutschland diskutiert und überlegt, ob und wie sie beim Empfang in Berlin dabei sein konnten. Victor hatte sich rege beteiligt, auch wenn er sich bewusst war, dass so eine Reise für ihn völlig utopisch war. Dennoch hatte er – durch die abschließende kurze Andacht von Seligkeit erfüllt – freudig den Rückweg angetreten. Dieses Mal hatte es ihn nicht im Geringsten gestört, dass er nicht am nachfolgenden Umtrunk teilnehmen konnte, da er auf keinen Fall nach Einbruch der Dunkelheit in Chorweiler ankommen wollte.

Noch völlig in Gedanken hatte er die gut gefüllte S-Bahn verlassen und sich in der anonymen Menschenmenge zum heimatlichen Wohnblock aufmachen wollen, als er viel zu spät Mike und seine Gang am Ende der Treppe entdeckt hatte. Diese hatten sich nicht im Geringsten daran gestört, dass Victor inmitten einer größeren Gruppe unterwegs war, und sich ihm breit grinsend dreist in den Weg gestellt. Victor wusste genau, dass die Sicherheit der Masse trügerisch war, und auch heute waren die Passanten weitergeeilt und hatten die Jugendlichen komplett ignoriert. Er wusste, dass sie bei den meisten Erwachsenen als „Assis“ galten – Leuten, denen man besser aus dem Weg ging.

Mike konnte mich an in der Grundschule bereits vom ersten Tag nicht leiden.“ Ein zittriger Buchstabe nach dem anderen landete auf dem Blatt. In seiner Aufregung hatte er in russischer Sprache und kyrillischer Schrift begonnen, doch nun schrieb er in Deutsch. „Erst nahmen sie mir mein Pausenbrot weg, später meine Sportsachen und auf der Hauptschule fingen dann die Anfeindungen an ...“

Der Stift schwebte über einem großen Blutfleck. An dieser Stelle konnte er nicht weiterschreiben, aber er ihm fiel ohnehin nichts ein. Er warf einen Blick über die Schulter und betrachtete die von ihm aufgebrochene Tür, die nun frei im Wind schwang. Noch hatte sich niemand dort gezeigt, doch das konnte sich jeden Moment ändern. Entsetzt waren seine Nachbarn vor dem blutüberströmten Victor geflohen. Auch wenn sie sich sonst keinen Deut um seine Eltern und ihn scherten – jetzt hatten sie mit Sicherheit bereits alle unabhängig voneinander die Polizei verständigt. Die Wache befand sich inmitten des Einkaufszentrums, also konnte es nur eine Frage von Minuten sein, bis die Beamten hier eintrafen.

Spring endlich!“, rief er sich selbst zu. „Du hast doch ohnehin nichts mehr zu verlieren. Ein Selbstmörder hat genauso viel Sünde auf sich geladen wie ...“

Victor sank auf die Knie und vergrub das Gesicht in den Händen. Wimmernd gestand er sich ein, dass er es nicht tun konnte. Er besaß einfach keinen Mut.

Genauso wenig wie Mike und seine „Freunde“, die ihn in der Sicherheit ihrer deutlichen Überzahl festgesetzt hatten. Kaum waren die Passanten verschwunden, forderten sie von ihm die Herausgabe aller seiner Wertsachen, andernfalls würden sie ihn krankenhausreif schlagen. Vor Raub waren selbst sie bisher zurück geschreckt, doch der Krieg gegen die Kanaken fordere von allen Opfer, so Mike hässlich lachend. Victor blieb keine andere Wahl – er legte seine Geldbörse in Mikes ausgestreckte Hand. Doch anstatt dass sie abzogen, hielt ihm Marco auch noch die andere Hand hin, da er ausdrücklich von allen Wertsachen gesprochen hätte. Unwillkürlich hatte daraufhin Victors Hand den Anhänger auf seiner Brust umgriffen. Das ginge nicht, hatte er fassungslos gestammelt, da der Anhänger von seinem verstorbenen Großvater stamme. Mike hatte sich davon nicht beeindrucken lassen und kurzerhand die Halskette zerrissen und den Anhänger aus Victors Hand entwendet. Dann brauche er ihn ja wohl nicht mehr, hatte Mike gesagt und war unter dem Gegröle seiner Kumpanen gegangen. Einige Schritte weiter hatte er sich dann umgedreht und gesagt: „Zeigt ihm, wer hier der Boss ist!“

Victor zog den Zettel wieder hervor und legte ihn sich aufs Knie. „Wie hätte ich denn ohne Großvaters Erbstück daheim auftauchen können?“, schrieb er an die untere Kante des Kaugummipapiers. Vielleicht reichte der Platz noch für einen weiteren Satz.

Irgendwie war es ihm nach unzähligen Schlägen doch noch gelungen zu fliehen. Bei der Flucht hatte er sich beim Überklettern eines Stacheldrahtzauns die Kleidung aufgerissen, doch die Schmerzen waren im Vergleich zu den Schlägen unwesentlich gewesen. Durch Vater war er zwar einiges gewohnt, aber die Gleichaltrigen waren noch brutaler. Er war in einen Busch gefallen und hilflos liegen geblieben. Der Weg nach Hause schied aus, und seine Jugendgruppe in Ehrenfeld zu erreichen, war ebenfalls unmöglich. Er hatte sich aufgerafft und war ziellos umher gewandert, bis er dann irgendwann im Parkhaus auf Marco getroffen war, der mit dem Rücken zu ihm auf einer Treppe gesessen hatte. Der Brutalo schlug Victors Anhänger immer und immer wieder auf den Beton, um das Gehäuse des Anhängers aufzubrechen.

Bauarbeiter sollten nach Feierabend ihren Müll wegräumen!“, schrieb er als letzten Satz in die letzte Ecke des Papiers, steckte dieses tief in seine Hosentasche und richtete sich auf.

Hätte diese abgeschnittene Eisenstange nicht genau zwischen ihm und Marco gelegen, dann …

Polizei!“, hörte er eine Stimme hinter sich rufen. „Drehen Sie sich langsam um und tun Sie nichts Unüberlegtes!“

Nichts Unüberlegtes? Victor schloss die Augen. Ein Lächeln umspielte seine Mundwinkel. Dies hier war nicht Unüberlegt – er wusste genau, was er tat.

Dieses Mal schon!

Er stieß sich ab und spürte den Luftstrom des freien Falls um seinen Körper. Deutlich stand das Bild der Tat vor seinem geistigen Auge – der üble Schläger blutüberströmt auf der Treppe des Parkhauses, der glimmende Joint noch daneben, und Victor selbst, wie er die Eisenstange fallen ließ, den Anhänger aufhob und zu seinem Wohnblock floh.

Im Inneren des Anhängers befand sich eine aus Gold und Silber bestehende Ikone der Heiligen Madonna, die laut Großvater Victor beschützen sollte.

Eigentlich beschützen sollte.

Die erste Schreibübung nach Besprechung der Texte war dann am Samstag Nachmittag, einen „Werkstattbericht“ über die Entstehung der Story zu schreiben. Ich stelle ihn auch mal online:

Katzbrui, Freitag Abend, ich sitze im Seminarraum und höre nur ein Wort: „Jugendgewalt.“

Darauf mein erster Gedanke: „Oh, Scheiße“, bevor sich mein Denken mit absolutem Nichts ausfüllte. Das hört sich wie ein Widerspruch an, aber glaubt mir, in Katzbrui geht das.

Das Spannende ist, wie schnell sich diese Leere danach füllt. Das geschah bei mir etwa in denselben Tempo, mit dem wir am Flipchart Stichworte zu verschiedenen Themengebieten wie Tatort, Motiv, soziales Umfeld usw. sammelten. Schnell reifte in mir die Idee von einem Täter, der aber auch gleichzeitig Opfer sein sollte. Damit sich das auch lohnte, musste es schon Mord sein.

Während die Listen sich weiter füllten, kam mir die Idee, die Tat in der Rückschau zu betrachten, anstatt alles völlig linear zu erzählen. Ich hielt es für reizvoll, die Verzweifelung des Täters über seine Tat andererseits, und die Ungewissheit des Lesers, was denn da passiert ist, in geeigneter Weise ...

Blöderweise kam mir zu diesem Zeitpunkt das Abendessen dazwischen, und der Smalltalk hinderte mein nur begrenzt zu parallelem Denken fähigen und durch die Wahl eines Gerichtes schon ohnehin völlig überfordertes Gehirn daran, der Sache weiter nachzugehen.

Mit vollem Magen stellte dann eine Ruhepause ein völlig verlockenden Gedanken dar, der erst einmal exzorziert werden musste, was Uschi mit der Ideensammlung zum nächsten Oberbegriff, der Religion, auch prompt schaffte. Ohjeminee ...

Fest stand auf jeden Fall, dass es keines der üblichen Klischees sein sollte. Warum dann nicht mal russisch-orthodox? Prima … Was weiß ich denn darüber, hm, keine Wikipedia, kein Google – hilfe!

Blieb dann dennoch dabei. Logisch, dass dann die Hauptperson ein Russe sein musste, also schnell noch ein paar russisch klingende Namen reinrufen, damit’s nicht auffällt. Der Ort war mir eigentlich egal, aber andererseits war Chorweiler toll, da bekannt und deshalb gut beschreibbar. Praktisch in einem Rutsch tippte ich ein Exposé – noch mit linear erzählter Handlung – herunter und schaffte es sogar schon, die ersten vier Wörter der eigentlichen Geschichte zu schreiben, als Uschi deutlichst zum Ortswechsel in die Mühle aufforderte.

Die Biere zum „Absackerli“ waren dann ideal, um noch mal einen totalen Neustarts des Denkzentrums hervorzurufen, worauf ich mich prompt der wichtigsten Frage beim Schreiben der Story stellte: Jetzt noch anfangen, oder erst schlafen?

Da ich meinen morgentlichen Gemütszustand kenne, entschied ich mich für ersteres. Oben in der Ruhe meines Zimmers erhaschte ich einen wunderschönen Blick über das Dach, bevor ich es mir zum Schreiben gemütlich machte, damit war die erste Szene praktisch fertig. Sechs- bis zehntausend Zeichen sind für mich üblicherweise ohnehin nur eine Szene, damit hatte ich die Story ja quasi schon fertig. Perfekt!

Blöderweise musste sie ja auch noch geschrieben werden.

Etwa die erste Seite konnte ich so runterschreiben, bis der erste Wechsel in die Vergangenheit kommen musste und mich so richtig verstrickte. Doch lieber etwas nach oben, oder den Satz für den Abschlussbrief ändern? Schwerwiegende Entscheidungen standen in dieser Nacht an.

Letztlich schrieb ich dann erst einmal die Handlung, die zu der Tat führte, in einem Rutsch und versuchte dann, die Gegenwart dazwischen einzubauen. Das klappte so gut, dass ich beschloss, mich zur Selbstbeweihräucherung von meinem iPhone mit passender Musik untermalen zu lassen.

Etwa eine halbe Stunde vor Mitternacht war die Rohfassung fertig und ich wäre am liebsten noch mal nach unten in die Gaststube gegangen. Dagegen sprach nur, dass wir diese zuvor praktisch als letzte verlassen hatten und die Chancen sehr schlecht standen. Also nutzte ich die folgenden Stunden, mich ausführlichst in horizontaler Lage auf den kommenden Tag vorzubereiten.

Kurz vor der Weckzeit wurde ich bereits wach und widerstand dem Drang, sofort die Geschichte noch einmal zu lesen. Stattdessen motivierte mich der aufgrund einer defekten Aufhängung auf den Sitz meines geistigen Zentrums fallende Duschkopf dazu, erst einmal frühstücken zu gehen.

Beim Lesen stellte ich später fest, dass der Text gar nicht mal so schlecht war, wie ich ihn in Erinnerung hatte. Aber die Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit passten an einigen Stellen so einfach nicht. Außerdem wollte ich den expliziten Tatgrund weiter hinausschieben und machte aus der Ikone einen Anhänger, der erst ganz zum Schluss genauer beschrieben wurde. Mir fiel ein, dass man von Ehrenfeld gar nicht mit der S-Bahn nach Chorweiler fahren kann, aber das würde ohnehin niemand merken. Viel schlimmer war dieser Absatz mit dieser viel zu vielen indirekten Rede. Sehr, sehr böse – also erst einmal die anderen Baustellen bearbeiten.

In der ursprünglichen Version hatten noch die Schläger Victors Kleidung zerstört. Wie sollte das eigentlich funktionieren? Logischer war, dass er floh und sich diese dann aufriss, also ändern. Auch wäre eine komplette Eisenstange viel zu schwer gewesen, deshalb machte ich eine abgeschnittene draus, die dann – praktisch als kostenlose Zusatzfunktion – eine hübsche, fiese Spitze bekam, mit der man einen Menschen dann so richtig in den Torso … An dieser Stelle entschloss ich mich endgültig, die Tat selbst nicht zu beschreiben.

10 Uhr. Ich landete wieder beim Abschnitt mit der indirekten Rede und kürzte ihn etwa auf die Hälfte, obwohl ich von der Zeichenanzahl immer noch gut im Rahmen lag. Las sich schon besser, aber immer noch scheiße. Um dem Text zu beweisen, wer hier der Stärkere war, ließ ich demonstrativ ließ ich erst einmal eine halbe Stunde verstreichen, bevor ich mich wieder daran traute. Ungefähr an diesem Punkt wurde mir auch bewusst, dass ich mehr Plusquamperfekt verwenden musste, um die Zeitebenen besser zu trennen. Oh oh, so viele zusätzliche Wörter, wenn das man gut ging …

10:30 Uhr. Immer noch dieser Absatz. Ich frage mich, ob man nicht auch Eisenstangen zur Erdolchung von indirekten Reden verwenden könnte, doch beschloss, dass dies definitiv eine andere Handlung war. Schließlich ließ ich es so, wie es war, und las den Text noch mal von Beginn, wo mir der Name „Marco“ für den Antagonisten nicht mehr gefiel. Blick zur Namensliste am Flipchart. „Mike“ hört sich viel besser an, also schnell noch ändern.

Als ich am Ende des Textes angekommen war, änderte ich hier noch ein paar Kleinigkeiten und beschloss, dass ich mit diesem Ergebnis leben musste. Sterben würden in den Texten ja ohnehin andere.

Nachdem dann sogar die Schwierigkeiten mit dem Anschluss des USB-Sticks behoben waren, ging es zum Mittagessen, wo mir dann natürlich die besten Korrekturideen kamen.

So ist die Wortschmiede …


Geschrieben von alex um 17:45 Uhr | Kommentare (0) | Trackbacks (0)
08 September
2009

Piratenpartei

Am 27. September ist Bundestagswahl

PiratenbloggerNachdem ich bei Twitter schon seit einer Weile Werbung für die Piratenpartei mache, habe ich mich jetzt auch bei den Piratenbloggern eingetragen.


Geschrieben von alex um 02:23 Uhr | Kommentare (0) | Trackbacks (0)