Ein Wochenende in Katzbrui
Nachbetrachtungen einer Fabylon-Wortschmiede
Am vergangenen Wochenende war ich wieder auf der Fabylon-Wortschmiede in der idyllischen Katzbrui-Mühle im Unterallgäu.
Das spannende an der Wortschmiede ist immer, das man nie weiß, welches Thema auf einen zukommt. So war es doch erst fast ein Schock, als Seminarleiterin Uschi Zietsch bekannt gab, dass wir das ganze Wochenende über Jugendgewalt schreiben würden. Ist dann doch erstaunlich, was bereits beim Brainstorming alles zustande kam.
Freitag gegen 20 Uhr waren wir damit fertig, bis 11:30 Uhr sollte die Kurzgeschichte fertig sein. Ich stelle hier absichtlich meine unkorrigierte Version online, wie ich sie abgab (die überarbeitete Version landet vielleicht irgendwann auf der Homepage):
Sünde
Immer
und immer wieder warf sich Victor gegen die Tür, bis das Schloss
schließlich nachgab. Seinen letzten Ansturm konnte er nicht mehr
stoppen, so fiel er der Länge nach auf die Dachpappe hinter der Tür.
Seine Kleidung riss weiter auf, doch es kümmerte ihn nicht, da sie
ohnehin schon zerstört war. Auch den Blutflecken, die er hinterließ,
widmete er keinen Blick.
Keuchend
erhob er sich und schleppte seinen drahtigen Körper bis zur
Dachkante des achtstöckigen Wohnblocks in Chorweiler, in dem er die
bisherigen fast sechzehn Jahre seines Lebens verbracht hatte. Weit
unter ihm lag die Tristesse dessen, was wohl irgendwann mal ein
Spielplatz gewesen war, ein Stückchen weiter die Betonwüste der
Einkaufspassage und das Parkhaus, in dem er ...
Aus
den Tiefen seiner Hosentasche förderte er die Verpackung eines
Kaugummis hervor, eine lächerliche Fläche Papier, doch er wollte
ohnehin nicht viel schreiben. Der winzige Stummel eines Bleistiftes,
den er für alle Fälle immer bei sich trug, war ebenfalls schnell
gefunden.
Ich
habe es getan“, kritzelte er. „Ich weiß nicht, wie das passieren
konnte.“
Er
stockte. Wie oft hatten sie in der fünfköpfigen Jugendgruppe der
kleinen russisch-orthodoxen Gemeinde Kölns das Thema Gewalt und
Rache diskutiert. Er erschauderte angesichts der Konsequenzen seiner
Tat.
Kurz
betrachtete er den Anhänger in seiner Hand, dann verwendete er
diesen wieder als Schreibunterlage: „Ich möchte, dass die
Jugendgruppe der Gemeinde meinen Anhänger bekommt.“
Sonst
gab es nichts zu verteilen – seine Taschen waren leer und
Zuhause würde sein Vater ohnehin alles kurz und klein schlagen,
sobald er von der Tat erfuhr. Da brauchte Vater nicht die Flasche
Wodka, die er sich sonst immer nach der Arbeit in den Fordwerken
genehmigte. Und Mutter? Sie würde den Dreck weg machen und sich dann
ihren Gobelins widmeten, wie sie es immer in ihrer Gleichgültigkeit
tat. Seit er sich bewusst erinnern konnte, war es nie anders gewesen.
Victor
stellte sich nun vollends auf die Dachkante, sodass seine Zehen
bereits über die Regenrinne ragten. Konnte er es wirklich tun,
springen und seinem Leben ein Ende setzen? Seiner Bestrafung
entgehen?
Aber
wie würde dann seine Sühnung im Jenseits aussehen?
Seine
Beine zitterten, doch dies lag nicht daran, dass der kalte
Februarwind durch die zerfetzte Jeans und das in Fetzen hängende
Hemd drang. Kälte machte ihn wenig aus, was vermutlich an seinem
genetischen Erbe lag.
Wieder
begann er zu schreiben: „Sie haben mich immer beleidigt und
bedroht, die Türken wie die Deutschen.“
Mit
Herzklopfen hatte er immer in der S-Bahn gesessen, wenn er von dem
wöchentlichen Treffen der Russischorthodoxen Jugend kam, und sich
vor seiner Zielstation gefürchtet. Die Portraits im weitläufigen
U-Bahnhof Chorweiler sollten freundlich wirken, doch er sah darin nur
Leute, die ihn höhnisch auslachten. Noch schlimmer waren die Tage
gewesen, in denen er nicht zu den Treffen fahren konnte, seine Mutter
ihn aber dennoch aus der Wohnung geworfen hatte, da er „sonst nur
alles dreckig“ machen würde. Teilweise hatten Mikes Clique und die
Türkengangs ihn stundenlang kreuz und quer durch Chorweiler
verfolgt, ihn nicht einmal in den Supermärkten, in die er sich
flüchtete, in Ruhe gelassen. Immerhin hatten sie den „Russki“,
„Wodkasäufer“ oder das „Kommunistenschwein“ außer
Rempeleien in Ruhe gelassen, ihn höchstens mal gegen einen
Zeitungsständer geworfen, den er anschließend unter den wütenden
Augen des Verkäufers wieder einräumen durfte.
Bis
heute.
Er
bemerkte, dass er Blut auf dem Papierfetzten verteilt hatte; Blut,
das an seinen Händen, an seiner Kleidung klebte und nicht seines
war.
Eigentlich
war es heute ein schöner Tag gewesen. In der Jugendgruppe hatten sie
den bevorstehenden Besuchs des Patriarchen in Deutschland diskutiert
und überlegt, ob und wie sie beim Empfang in Berlin dabei sein
konnten. Victor hatte sich rege beteiligt, auch wenn er sich bewusst
war, dass so eine Reise für ihn völlig utopisch war. Dennoch hatte
er – durch die abschließende kurze Andacht von Seligkeit
erfüllt – freudig den Rückweg angetreten. Dieses Mal hatte
es ihn nicht im Geringsten gestört, dass er nicht am nachfolgenden
Umtrunk teilnehmen konnte, da er auf keinen Fall nach Einbruch der
Dunkelheit in Chorweiler ankommen wollte.
Noch
völlig in Gedanken hatte er die gut gefüllte S-Bahn verlassen und
sich in der anonymen Menschenmenge zum heimatlichen Wohnblock
aufmachen wollen, als er viel zu spät Mike und seine Gang am Ende
der Treppe entdeckt hatte. Diese hatten sich nicht im Geringsten
daran gestört, dass Victor inmitten einer größeren Gruppe
unterwegs war, und sich ihm breit grinsend dreist in den Weg
gestellt. Victor wusste genau, dass die Sicherheit der Masse
trügerisch war, und auch heute waren die Passanten weitergeeilt und
hatten die Jugendlichen komplett ignoriert. Er wusste, dass sie bei
den meisten Erwachsenen als „Assis“ galten – Leuten, denen
man besser aus dem Weg ging.
Mike
konnte mich an in der Grundschule bereits vom ersten Tag nicht
leiden.“ Ein zittriger Buchstabe nach dem anderen landete auf dem
Blatt. In seiner Aufregung hatte er in russischer Sprache und
kyrillischer Schrift begonnen, doch nun schrieb er in Deutsch. „Erst
nahmen sie mir mein Pausenbrot weg, später meine Sportsachen und auf
der Hauptschule fingen dann die Anfeindungen an ...“
Der
Stift schwebte über einem großen Blutfleck. An dieser Stelle konnte
er nicht weiterschreiben, aber er ihm fiel ohnehin nichts ein. Er
warf einen Blick über die Schulter und betrachtete die von ihm
aufgebrochene Tür, die nun frei im Wind schwang. Noch hatte sich
niemand dort gezeigt, doch das konnte sich jeden Moment ändern.
Entsetzt waren seine Nachbarn vor dem blutüberströmten Victor
geflohen. Auch wenn sie sich sonst keinen Deut um seine Eltern und
ihn scherten – jetzt hatten sie mit Sicherheit bereits alle
unabhängig voneinander die Polizei verständigt. Die Wache befand
sich inmitten des Einkaufszentrums, also konnte es nur eine Frage von
Minuten sein, bis die Beamten hier eintrafen.
Spring
endlich!“, rief er sich selbst zu. „Du hast doch ohnehin nichts
mehr zu verlieren. Ein Selbstmörder hat genauso viel Sünde auf sich
geladen wie ...“
Victor
sank auf die Knie und vergrub das Gesicht in den Händen. Wimmernd
gestand er sich ein, dass er es nicht tun konnte. Er besaß einfach
keinen Mut.
Genauso
wenig wie Mike und seine „Freunde“, die ihn in der Sicherheit
ihrer deutlichen Überzahl festgesetzt hatten. Kaum waren die
Passanten verschwunden, forderten sie von ihm die Herausgabe aller
seiner Wertsachen, andernfalls würden sie ihn krankenhausreif
schlagen. Vor Raub waren selbst sie bisher zurück geschreckt, doch
der Krieg gegen die Kanaken fordere von allen Opfer, so Mike hässlich
lachend. Victor blieb keine andere Wahl – er legte seine
Geldbörse in Mikes ausgestreckte Hand. Doch anstatt dass sie
abzogen, hielt ihm Marco auch noch die andere Hand hin, da er
ausdrücklich von allen
Wertsachen gesprochen hätte. Unwillkürlich hatte daraufhin Victors
Hand den Anhänger auf seiner Brust umgriffen. Das ginge nicht, hatte
er fassungslos gestammelt, da der Anhänger von seinem verstorbenen
Großvater stamme. Mike hatte sich davon nicht beeindrucken lassen
und kurzerhand die Halskette zerrissen und den Anhänger aus Victors
Hand entwendet. Dann brauche er ihn ja wohl nicht mehr, hatte Mike
gesagt und war unter dem Gegröle seiner Kumpanen gegangen. Einige
Schritte weiter hatte er sich dann umgedreht und gesagt: „Zeigt
ihm, wer hier der Boss ist!“
Victor
zog den Zettel wieder hervor und legte ihn sich aufs Knie. „Wie
hätte ich denn ohne Großvaters Erbstück daheim auftauchen
können?“, schrieb er an die untere Kante des Kaugummipapiers.
Vielleicht reichte der Platz noch für einen weiteren Satz.
Irgendwie
war es ihm nach unzähligen Schlägen doch noch gelungen zu fliehen.
Bei der Flucht hatte er sich beim Überklettern eines
Stacheldrahtzauns die Kleidung aufgerissen, doch die Schmerzen waren
im Vergleich zu den Schlägen unwesentlich gewesen. Durch Vater war
er zwar einiges gewohnt, aber die Gleichaltrigen waren noch brutaler.
Er war in einen Busch gefallen und hilflos liegen geblieben. Der Weg
nach Hause schied aus, und seine Jugendgruppe in Ehrenfeld zu
erreichen, war ebenfalls unmöglich. Er hatte sich aufgerafft und war
ziellos umher gewandert, bis er dann irgendwann im Parkhaus auf Marco
getroffen war, der mit dem Rücken zu ihm auf einer Treppe gesessen
hatte. Der Brutalo schlug Victors Anhänger immer und immer wieder
auf den Beton, um das Gehäuse des Anhängers aufzubrechen.
Bauarbeiter
sollten nach Feierabend ihren Müll wegräumen!“, schrieb er als
letzten Satz in die letzte Ecke des Papiers, steckte dieses tief in
seine Hosentasche und richtete sich auf.
Hätte
diese abgeschnittene Eisenstange nicht genau zwischen ihm und Marco
gelegen, dann …
Polizei!“,
hörte er eine Stimme hinter sich rufen. „Drehen Sie sich langsam
um und tun Sie nichts Unüberlegtes!“
Nichts
Unüberlegtes? Victor schloss die Augen. Ein Lächeln umspielte seine
Mundwinkel. Dies hier war nicht Unüberlegt – er wusste genau, was
er tat.
Dieses
Mal schon!
Er
stieß sich ab und spürte den Luftstrom des freien Falls um seinen
Körper. Deutlich stand das Bild der Tat vor seinem geistigen Auge –
der üble Schläger blutüberströmt auf der Treppe des Parkhauses,
der glimmende Joint noch daneben, und Victor selbst, wie er die
Eisenstange fallen ließ, den Anhänger aufhob und zu seinem
Wohnblock floh.
Im
Inneren des Anhängers befand sich eine aus Gold und Silber
bestehende Ikone der Heiligen Madonna, die laut Großvater Victor
beschützen sollte.
Eigentlich
beschützen sollte.
Die erste Schreibübung nach Besprechung der Texte war dann am Samstag Nachmittag, einen „Werkstattbericht“ über die Entstehung der Story zu schreiben. Ich stelle ihn auch mal online:
Katzbrui,
Freitag Abend, ich sitze im Seminarraum und höre nur ein Wort:
„Jugendgewalt.“
Darauf
mein erster Gedanke: „Oh, Scheiße“, bevor sich mein Denken mit
absolutem Nichts ausfüllte. Das hört sich wie ein Widerspruch an,
aber glaubt mir, in Katzbrui geht das.
Das
Spannende ist, wie schnell sich diese Leere danach füllt. Das
geschah bei mir etwa in denselben Tempo, mit dem wir am Flipchart
Stichworte zu verschiedenen Themengebieten wie Tatort, Motiv,
soziales Umfeld usw. sammelten. Schnell reifte in mir die Idee von
einem Täter, der aber auch gleichzeitig Opfer sein sollte. Damit
sich das auch lohnte, musste es schon Mord sein.
Während
die Listen sich weiter füllten, kam mir die Idee, die Tat in der
Rückschau zu betrachten, anstatt alles völlig linear zu erzählen.
Ich hielt es für reizvoll, die Verzweifelung des Täters über seine
Tat andererseits, und die Ungewissheit des Lesers, was
denn da passiert ist, in geeigneter Weise ...
Blöderweise
kam mir zu diesem Zeitpunkt das Abendessen dazwischen, und der
Smalltalk hinderte mein nur begrenzt zu parallelem Denken fähigen
und durch die Wahl eines Gerichtes schon ohnehin völlig
überfordertes Gehirn daran, der Sache weiter nachzugehen.
Mit
vollem Magen stellte dann eine Ruhepause ein völlig verlockenden
Gedanken dar, der erst einmal exzorziert werden musste, was Uschi mit
der Ideensammlung zum nächsten Oberbegriff, der Religion, auch
prompt schaffte. Ohjeminee ...
Fest
stand auf jeden Fall, dass es keines der üblichen Klischees sein
sollte. Warum dann nicht mal russisch-orthodox? Prima … Was
weiß ich denn darüber, hm, keine Wikipedia, kein Google –
hilfe!
Blieb
dann dennoch dabei. Logisch, dass dann die Hauptperson ein Russe sein
musste, also schnell noch ein paar russisch klingende Namen
reinrufen, damit’s nicht auffällt. Der Ort war mir eigentlich
egal, aber andererseits war Chorweiler toll, da bekannt und deshalb
gut beschreibbar. Praktisch in einem Rutsch tippte ich ein Exposé –
noch mit linear erzählter Handlung – herunter und schaffte es
sogar schon, die ersten vier Wörter der eigentlichen Geschichte zu
schreiben, als Uschi deutlichst zum Ortswechsel in die Mühle
aufforderte.
Die
Biere zum „Absackerli“ waren dann ideal, um noch mal einen
totalen Neustarts des Denkzentrums hervorzurufen, worauf ich mich
prompt der wichtigsten Frage beim Schreiben der Story stellte: Jetzt
noch anfangen, oder erst schlafen?
Da
ich meinen morgentlichen Gemütszustand kenne, entschied ich mich für
ersteres. Oben in der Ruhe meines Zimmers erhaschte ich einen
wunderschönen Blick über das Dach, bevor ich es mir zum Schreiben
gemütlich machte, damit war die erste Szene praktisch fertig. Sechs-
bis zehntausend Zeichen sind für mich üblicherweise ohnehin nur
eine Szene, damit hatte ich die Story ja quasi schon fertig. Perfekt!
Blöderweise
musste sie ja auch noch geschrieben werden.
Etwa
die erste Seite konnte ich so runterschreiben, bis der erste Wechsel
in die Vergangenheit kommen musste und mich so richtig verstrickte.
Doch lieber etwas nach oben, oder den Satz für den Abschlussbrief
ändern? Schwerwiegende Entscheidungen standen in dieser Nacht an.
Letztlich
schrieb ich dann erst einmal die Handlung, die zu der Tat führte, in
einem Rutsch und versuchte dann, die Gegenwart dazwischen einzubauen.
Das klappte so gut, dass ich beschloss, mich zur
Selbstbeweihräucherung von meinem iPhone mit passender Musik
untermalen zu lassen.
Etwa
eine halbe Stunde vor Mitternacht war die Rohfassung fertig und ich
wäre am liebsten noch mal nach unten in die Gaststube gegangen.
Dagegen sprach nur, dass wir diese zuvor praktisch als letzte
verlassen hatten und die Chancen sehr schlecht standen. Also nutzte
ich die folgenden Stunden, mich ausführlichst in horizontaler Lage
auf den kommenden Tag vorzubereiten.
Kurz
vor der Weckzeit wurde ich bereits wach und widerstand dem Drang,
sofort die Geschichte noch einmal zu lesen. Stattdessen motivierte
mich der aufgrund einer defekten Aufhängung auf den Sitz meines
geistigen Zentrums fallende Duschkopf dazu, erst einmal frühstücken
zu gehen.
Beim
Lesen stellte ich später fest, dass der Text gar nicht mal so
schlecht war, wie ich ihn in Erinnerung hatte. Aber die Wechsel
zwischen Gegenwart und Vergangenheit passten an einigen Stellen so
einfach nicht. Außerdem wollte ich den expliziten Tatgrund weiter
hinausschieben und machte aus der Ikone einen Anhänger, der erst
ganz zum Schluss genauer beschrieben wurde. Mir fiel ein, dass man
von Ehrenfeld gar nicht mit der S-Bahn nach Chorweiler fahren kann,
aber das würde ohnehin niemand merken. Viel schlimmer war dieser
Absatz mit dieser viel zu vielen indirekten Rede. Sehr, sehr böse –
also erst einmal die anderen Baustellen bearbeiten.
In
der ursprünglichen Version hatten noch die Schläger Victors
Kleidung zerstört. Wie sollte das eigentlich funktionieren?
Logischer war, dass er floh und sich diese dann aufriss, also ändern.
Auch wäre eine komplette Eisenstange viel zu schwer gewesen, deshalb
machte ich eine abgeschnittene draus, die dann – praktisch als
kostenlose Zusatzfunktion – eine hübsche, fiese Spitze bekam,
mit der man einen Menschen dann so richtig in den Torso … An
dieser Stelle entschloss ich mich endgültig, die Tat selbst nicht zu
beschreiben.
10
Uhr. Ich landete wieder beim Abschnitt mit der indirekten Rede und
kürzte ihn etwa auf die Hälfte, obwohl ich von der Zeichenanzahl
immer noch gut im Rahmen lag. Las sich schon besser, aber immer noch
scheiße. Um dem Text zu beweisen, wer hier der Stärkere war, ließ
ich demonstrativ ließ ich erst einmal eine halbe Stunde
verstreichen, bevor ich mich wieder daran traute. Ungefähr an diesem
Punkt wurde mir auch bewusst, dass ich mehr Plusquamperfekt verwenden
musste, um die Zeitebenen besser zu trennen. Oh oh, so viele
zusätzliche Wörter, wenn das man gut ging …
10:30
Uhr. Immer noch dieser Absatz. Ich frage mich, ob man nicht auch
Eisenstangen zur Erdolchung von indirekten Reden verwenden könnte,
doch beschloss, dass dies definitiv eine andere Handlung war.
Schließlich ließ ich es so, wie es war, und las den Text noch mal
von Beginn, wo mir der Name „Marco“ für den Antagonisten nicht
mehr gefiel. Blick zur Namensliste am Flipchart. „Mike“ hört
sich viel besser an, also schnell noch ändern.
Als
ich am Ende des Textes angekommen war, änderte ich hier noch ein
paar Kleinigkeiten und beschloss, dass ich mit diesem Ergebnis leben
musste. Sterben würden in den Texten ja ohnehin andere.
Nachdem
dann sogar die Schwierigkeiten mit dem Anschluss des USB-Sticks
behoben waren, ging es zum Mittagessen, wo mir dann natürlich die
besten Korrekturideen kamen.
So
ist die Wortschmiede …
Geschrieben von
alex um
17:45 Uhr
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